Kirche

 

Neben dem Kloster Maulbronn und der Pfarrkirche in Tiefenbronn zählt die Evangelische Kirche in Niefern zu den drei Kulturdenkmälern des Enzkreises. Die über 700 Jahre alte Kirche lockt mit ihrer beindruckenden Chorausmalung Menschen aus der ganzen Welt in die kleine badische Ortschaft.

Wer die Kirche betritt, dem fällt zunächst die hölzerne, mit Blumen und Sternen bemalte Tonnendecke auf. Die wertvolle Zimmermannsarbeit soll den Himmel über den Gläubigen darstellen. „Ganz getreu der Bibelstelle Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich“, erklärt Friedrich Leicht, der immer wieder Gruppen durch die Kirche führt. Sein Großvater hat als Schreiner an der Restauration der Decke mitgewirkt.

Ungewöhnlich für eine Dorfkirche ist die Bogenbrücke. Der sogenannte Lettner wäre 1895 beinahe Renovierungsarbeiten zum Opfer gefallen. Das Bauwerk trennt das Kirchenschiff von dem Chorraum. Damit weist es auf die besondere liturgische Funktion der Kirche in der Vorreformationszeit hin: Das um 1350 erbaute Gotteshaus war eine Zweigstelle der Pforzheimer Stiftskirche, weshalb es regelmäßig von Chorherren besucht wurde. Der Lettner gewährte diesen Ruhe, während sie ihre Stundengebete abhielten. Im Verlauf eines Gottesdienstes wurde die Predigt vom Lettner aus gelesen, damit sie von den Geistlichen auf der einen und von den Laien auf der anderen Seite gehört werden konnte. Die Schlusssteine des Brückenbogens sind mit den Wappen der Stifter bestückt.

Aufmerksamkeit zieht außerdem die bunte Chorausmalung auf sich, die erst 1895 zufällig bei Renovierungsarbeiten entdeckt wurde. Die Malereien, die heute zu sehen sind, sind Ergebnis zweier umfangreicher Restaurierungen. Auf der linken Wand sind unter anderem Jesus und seine Jünger in einem sogenannten Apostelfries zu sehen. Bemerkenswert ist außerdem die Abbildung der Wurzel Jesse. Das weitverbreitete Bild ist hier in einer abgewandelten Form dargestellt. Normalerweise sind die Könige des Alten Bundes abgebildet. In Niefern hingegen werden die Leiden und Freuden der Maria gezeigt. „Um dieses Bild zu sehen, ist sogar schon einmal ein Kunstinteressierter aus Spanien hierher gereist“, erzählt Friedrich Leicht. Neben den Wänden ist auch die Decke kunstvoll bemalt. Hier sind die vier Evangelisten, sowie die vier lateinischen Kirchenlehrer dargestellt. Die Bilder der Chorausmalung mögen auf den ersten Blick nicht miteinander zusammenhängen, jedoch haben sie eine gemeinsame Aussage: Das Ringen des Menschen um Vergebung und um göttliches Heil.

Im Chorraum sind außerdem drei prunkvolle Epitaphien mit eingesetzten Statuen angebracht. Sie wurden im Gedenken an den Herrn und die Dame von Leutrum sowie an deren frühverstorbenes Kind errichtet, die im 16. Jahrhundert in der Niefernburg lebten. Auch ein goldener Kelch aus dem Jahr 1754 ist in dem Chorraum untergebracht. Zu diesem ist sogar noch eine Spendenliste erhalten, die dokumentiert, wer aus Niefern damals welchen Betrag gespendet hat. Die Kirchenfenster des Chorraums, die nach dem Zweiten Weltkrieg neugestaltet wurden, bilden den Ambrosischen Lobgesang, das Lied Nummer 191 des Gesangbuchs, ab.

An der Wand des Kirchenschiffs sind zwei Holzstatuen angebracht, die noch aus dem 15. Jahrhundert stammen. Diese Figuren stellen Johannes den Täufer sowie die Heilige Anna, die Mutter Marias dar. Außerdem besitzt die Kirche eine verzierte hölzerne Kanzel aus dem 19. Jahrhundert sowie einen ebenso gestalteten Altar, die unter dem Lettner ihren Platz haben. Dass in dem Kirchenschiff vor der Renovierung Ende des 20. Jahrhundert Seitenemporen angebracht waren, bezeugen die ungewöhnlich hohen Kirchenfenster.

Die Schutzpatronin der Kirche zu Niefern, die Heilige Maria, weist daraufhin, dass das Gotteshaus schon vor der Reformation bestand. Maria ist als Statue an der Außenseite der Kirche angebracht. Des Weiteren wurde ihr ein Wappen im Lettner sowie ein großes Bild im Chorraum gewidmet.

(Linda Gierich)